Die Geschichte unserer Orgel(n)

IMG_2199 (Foto: Stefan Wieske)
Zur Geschichte der beiden Orgeln in Niederuzwil.
Stefan Wieske,
GESCHICHTE DER ORGELN IN DER Evang. KIRCHE IN NIEDERUZWIL
Erste Orgelbelege in Niederuzwil (ab 1871)

• Am 18. August 1871 verfertigt Martin Braun, Orgelbauer in Hofen bei Spaichingen, ein Angebot:
„Disposition und Kostenüberschlag“.
Hier bietet er eine Orgel mit 17 Registern auf 2 Manualen und Pedal an.





I. Manual
1. Prinzipal 8‘
2. Bourdon 16‘
3. Viola di Gamba 8‘
4. Flöte 8‘
5. Oktave 4‘
6. Mixtur IV 2 2/3‘
7. Flöte d’amour 4‘
8. Cornett 8’

II. Manual
1. Salicional 8‘
2. Lieblich Gedeckt 8‘
3. Dolceflöte 8‘
4. Traversflöte 4‘
5.Clarinette 8

Baß & Pedal
1. Violinbaß 16
2. Subbaß 16‘
3. Oktavbaß 8‘
4. Posaune 16‘
- Copplung vom Pedal ins I. Manual
- Copplung vom I. Maual ins II. Manual
-Fortezug für das I.Manual: Cornet, Mixtur, Oktave 4‘
Fortezug für Zungenregister Clarinette und Posaune

• Zehn Tage später, am 28. August 1871, stellt Martin Braun, Orgelbauer in Hofen bei Spaichingen /
Württemberg eine Bürgschaftsurkunde aus, in der zwei Bürger aus Hofen für Martin Braun bürgen, bis
zu 3.000 Franken für ihn zu bürgen.

• Am 9. Dezember 1872 wird dem Angebot ein Zusatz beigefügt, dass man in gegenseitigem
Einverständnis vom § 6 des Angebots Abstand nimmt, nämlich dass die Orgel bis zum Bettag 1872 zu
vollenden sei.

• Am 1. September 1873 ermächtigt die Kirchenvorstandschaft von Niederuzwil Herrn S. Reg, bei
Orgelbauer Braun vorstellig zu werden, um „ihre vertragsgemäßen Pflichten zu erfüllen“.
Drei Tage später antwortet Matthäus Laden (Gemeinderath in Hofen bei Spaichingen) auf dieses
Schreiben.

• Schließlich finden sich in den Akten ein Frachtgutschein der Königlich Württembergischen Eisenbahn,
dass am Bahnhof Spaichingen „eine zerlegte Kirchenorgel“ am 6. XXX1 1873 mit einem ganzen
Waggon zum Bahnhof Uzwil aufgegeben wurde (über Schaffhausen und Winterthur), persönlich
unterschrieben von Martin Braun & Sohn, adressiert an Herrn Präsident Hugentober-Weber in
Niederuzwil.

• Schon am 20. Dezember 1873 liegt der „Expertenbericht über die neue Orgel in der Kirche zu
Niederuzwil“ vor, verfasst von H. Spachowsky, Musikdirektor und Lehrer am Seminar Mariaberg bei
Roschach, und von Herrn W. Neuscheler (Ingenieur in Niederuzwil). In diesem zweiseitigen
Abnahmebericht wird die Orgel als „vorzüglich ausgeführt beschrieben“.

• Die Braun-Orgel muss danach farblich gefasst worden sein, denn der Malermeister Lenggenhager stellt
am 28.Februar 1874 der „Kirchenbau-Commission“ 500 fl für die Vergoldung der Kirchenorgel in
Rechnung.

• Auch finden sich in den Archivakten drei Quittungen, mittels derer Orgelbauer Braun, eingetroffene
Geldzahlungen /Raten) quittiert (mit Datum vom 22. Dezember 1873, 16. Januar 1874, 6. Februar
1874).

• Zwanzig Jahre später nimmt Max Klingler aus Rorschach (Gebrüder Klinger, Orgelbau) zu der Orgel
Stellung und schreibt u.a.: „…Da das Orgelwerk im Allgemeinen gut in Material und Arbeit ausgeführt
ist, mangen demselben jedoch mehrere Vorzüge, die in neuerer Zeit an soliden Werken angewendet
werden, und es liegt wirklich im Interesse der Orgel und der Orgelspieler, diese vorteilhaft wirkenden
Neuerungen daran anzubringen, jedenfalls ist eine gründliche Reinigung der Orgel dringlich, wenn
dieselbe nicht Schaden leiden soll“.
(14. Januar 1892).

Am 11. August 1893 legt Herr Musikdirektor P. Beckler einen „Collaudationsbericht“ über „die
Reparatur der Orgel“ vor.
Diese Braun-Orgel muss auf der Empore gestanden haben, denn am 14. Januar 1899 schreibt
Musikdirektor Richard Wiesner aus St. Gallen an den Dekan in Niederuzwil, dass er zwar von der
Gemeinde gebeten worden sei, ein Gutachten über die „Versetzung der Orgel abzugeben“, aber dass es
besser wäre, wenn man sich an „einen Orgelbauer, z.B. Herrn Goll in Luzern, wenden würde“.
Diesem Ratschlag scheint man nachgekommen zu sein, denn am 4. März 1899 sendet Friedrich Goll
seine Stellungnahme an die „Evangelische Kirchenvorsteherschaft von „Nieder-Uzwil“:
Er stellt fest, dass eine Aufstellung der Orgel im Chor aufgrund der außerordentlichen Akustik der
Kirche sicherlich von Vorteil sein könnte. Aber er stellt dagegen, dass dann der Spieltisch nahe am
Taufstein sei, dass man ein Podium fertigen müsse und dass dann dir rückwärtige Wand kahl und leer
sein. So kommt er zu dem Schluss, „die Orgel da zu belassen, wo sie ist“.
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Orgelmaßnahmen in den Zwanzigerjahren
• Aufgrund des nach wie vor existierenden Wunsches, die Orgel in den Chorraum zu stellen und aufgrund
des Zustands der Braun-Orgel nimmt man in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhundert Kontakt auf mit
Orgelbau Theodor Kuhn in Männedorf am Zürichsee. Im Jahr 1920 besuchte Theodor Kuhn
Niederuzwil und sendet am 29. Juli 1920 seine Antwort an die Kirchengemeinde Niederuzwil. Auch
Kuhn hält noch an dem alten Instrument fest und schlägt eine Renovierung vor, da „verschiedene
Verumständungen vorliegen, welche den Bau der früher geplanten neuen Orgel verunmöglichen“. Also
soll die Orgel überholt werden, damit „sie in gutem Zustand verbleibe, dass man sie bei späterer
Anschaffung des neuen Werkes wieder ordentlich verwerten kann“. Der Holzwurm soll bekämpft
werden, vor allem aber soll ein elektrisches Orgelgebläse eingebaut werden. Außerdem falle dem
Musiker sofort der Mangel an weichen Stimmen auf, weshalb Kuhn den Einbau eines Dolce 8‘ im I.
Manual und eines „fein schwebenden Soloregisters2 Voix celeste 8‘“ im II. Manual vorschlägt.

• Theodor Kuhn sendet mit gleichem Datum (29.Juli 1920) gleich ein Exposé mit über die
„Renovationsarbeiten an der Kirchenorgel zu Niederuzwil“, in dem er die Reinigungsarbeiten
beschreibt, den Einbau des „electrischen Gebläses“, die Imprägnierung gegen Holzwurm, und die
„Einführung von 2 weiteren Registern“ (auf Zusatzladen).

• Am 28. September 1920 reagiert Kuhn sehr deutlich auf eine vorgetragene Preisreduzierung; er gibt
nach, stellt aber Bedingungen über die gleichzeitig Ausführung ALLER Maßnahmen.
2 Interessant, die Voix céleste 8‘ wird ausdrücklich eine Soloregister genannt.
• Am 12. Oktober 1920 bestätigt Kuhn gegenüber der Kirchenverwaltung den Erhalt der Beauftragung
zur Instandsetzung der Orgel. Bereits am 2. März 1921 stellt Kuhn bereits die Rechnung für die
Arbeiten aus.

Der Neubau der Kuhn-Orgel im Jahr 1937

15 Jahre später scheint man in Niederuzwil nun finanziell in der Lage zu sein, einen Orgelneubau
anzugehen. Jedenfalls legt Theodor Kuhn am 11. Januar 1935 ein Angebot für eine neue Orgel vor mit
„26 effektiven Registern, 5 Transmissionen und 5 Auszügen“ (es sollen sich also insgesamt 36
Registerzüge am Spieltisch befinden).

I. Manual – 56 Töne
1. Prinzipal 8‘
2. Nachthorn 8‘
3. Oktavflöte 4‘
4. Flauto major 4‘
5. Mixtur 3-5f.
a. Liebl. Gedeckt 16‘ Tr.
b. Gemshorn 8‘ Tr.
c. Weitquinte 2 2/3‘ Ausz.

II. Manual – 56 Töne
6. Bourdon 8‘
7. Salizional 8‘
9. Prinzipal 4‘
10. Cornettino 2-5f.
11. Cymbel 2-3f.
12. Oboe 8‘
d. Waldflöte 2‘ Ausz.

III. Manual – 68 Töne
13. Lieblich gedeckt 16‘
14. Gemshorn 8‘
15. Geigenprinz. 8‘
16.Flöte 4‘
17. Fugara 4‘
18. Plein jeu 3-7f.
19. Englisch Horn 16‘
20. Trompette harm. 8‘
21.Clairon 4‘
e. Diskantquinte 2 2/3‘ Asz.
f. Flautino 2‘ Ausz.
g. Larigot 1’

Pedal – 42 Töne
22. Subbass 16‘
23. Prinzipalbass 16‘
24. Choralbass 8‘
25. Singend Cornett 4‘ Koppeln:
26. Bombarde 16‘ Normalkoppeln,
h. Liebl. Gedeckt 16‘ Tr. Super: III – I, III-P, Super im Pedal,
i. Prinzipalbass 32‘ Tr. Sub: II-I
k. Chorlabass 4‘ Tr.15

• Im darauffolgenden Jahr wird am 14. Dezember 1936 der Kontrakt geschlossen, eine neue Orgel zu
bestellen mit 27 klingenden Registern, 4 Transmissionen und 5 Auszügen. Kuhn bietet außerdem an,
„die gegenwärtige Orgel für fr 2.000.—“ abzutragen und abzutransportieren, falls die „löbliche
Bauherrschaft nicht selbst verkauft“.
Die Disposition wurde gegenüber dem Vorjahresangebot von Herrn Musikdirektor Biedermann aus
Amriswil abgeändert:

I. Manual C-g‘‘‘ (56 Töne)
Prinzipal 8‘
Flauto major 8‘
Gemshorn 8‘
Oktave 4‘
Flauto dolce 4‘
Mixtur 3-5f.
Quinte 2 2/3’ Auszug aus d. Mixtur
Liebl. Gedeckt 16’ Transm. aus II. mit selbstständiger 16‘ Oktave aus Holz

II. Manual C-g‘‘‘ (56 Töne)
Rohrflöte 8‘
Salicional 8’
Prinzipal 4’
Gemshorn 4’
Cornettino 2-5f.
Cymbel 2-3f.
Waldflöte 2’ Auszug aus Cornettino

III. Manual C-g’’’’ (68 Töne)
Liebl. Gedackt 8’
Viola 8’
Geigenprinzipal 8’
Nachthorn 4’
Ottava variata 4’
Violine 4’
Plein-jeu 3-7f.
Fagott 16’
Trompete 8’
Clairon 4’
Nasard 2 2/3’ Auszug aus Plein-jeu
Flautino 2’ Auszug aus Plein-jeu
Larigot 1 1/3’ Auszug aus Plein-jeu

Pedal c-f’’ (42 Töne)
Subbass 16’
Principalbass 16’ “die tiefsten aus Holz, Fortsetzung im Prospekt aus 70%
Zinn”
Choralbass 4’
Bombarde 16’
Singend Cornett 4’
Gedecktbass 32’ Transm. aus Liebl. Gedeckt 16‘ mit 12 St. 10 2/3‘ Quinte3
Liebl. Gedecktbass 16’
Gemshorn 8’

• Die Traktur wird „ganz pneumatisch“ ausgeführt, „mittels feinst verzinntem Hartbleirohr erster
Provenienz“. Handschriftlich wird angeführt: „Im Spieltisch mechanische Traktur“.
3 Von c ab als 32‘ steht samt der Quinte im Schwellkasten, nicht zu stark
„Die Windladen werden hergestellt nach dem System der Hängeventilladen mit seitlich abziehenden
Schwanzventilen“.

• Herr Musikdirektor Hans Biedermann (der als Orgelsachverständiger wirkt) teilt am 11.Februar 1937
dem Architekten und der Gemeinde mit, dass gewisse Änderungen vorgenommen werden, die mit
Direktor Ziegler (Kuhn), mit dem Intonateur Rudolf Ziegler, und dem Organisten Tobler abgesprochen
seien.
„Die Oboe 8‘, bisher im nicht schwellbaren II. Manual wird in den Schwellkasten des III. Manuals
versetzt“
12 Holzpfeifen der Variata 8‘ (Geigenprinzipal) sollen durch Zinkpfeifen ersetzt werden, ebenso die
tiefe Oktav der Viola 8‘. Die Flauto major 8‘ soll 24 Holzpfeifen erhalten, die Holzpfeifen der Flauto
dolce 4‘ sollen durch Zinnpfeifen ersetzt werden, und die Mixtur des ersten Manuals erhält eine
Pfeifenreihe mehr (jetzt 4-6f.), ebenso das Plein jeu des II. Manuals (jetzt 6-7 f.).

• Im Folgejahr wird ein Stimmvertrag abgeschlossen (4. April 1938). Im gleichen Jahr noch wir in
Niederuzwil am 25.Oktober 1938 eine Nutzerordnung erlassen( „Wegleitung über Aufsicht, Benützung,
Behandlung und Pflege der Orgel in der evangelischen Kirche in Niederuzwil“
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Generalreinigung und Revision
Am 12. Oktober 1949 schickt Orgelbau Kuhn den Kostenvoranschlag für eine Generalreinigung

• Am 5. April 1950 bestätigt Rudolf Ziegler, der ehemalige Intonateur von Orgelbau Kuhn, der
inzwischen eine eigene Firma in Genf mit dem Namen „Orgelbau Genf“ gegründet hat, dass er zwei
Tage zuvor, am 3. April 1950, eine Anfrage erhalten habe, die Orgel einer Prüfung zu unterziehen, um
ein Angebot vorzulegen für die Reinigung und Revision der Orgel in Niederuzwil. Am 3. Mai 1950
beteuert Herr Ziegler in einem eigenen Brief, dass viele seiner Mitarbeiter die Orgel in Niederuzwil
kennen, man in der Lage sei, die Orgel zu überarbeiten und man infolgedessen gerne auf den Auftrag
warte.

• Fa. Genf legt am 3. Mai 1950 eine Offerte zur Generalreinigung und Revision der Orgel in Niederuzwil
vor.

• Aber die Kirchengemeinde Niederuzwil ist nach der Trennung von H. Ziegler von der Firma Kuhn und
Neueröffnung eines eigenen Betriebs in Genf (zu dem noch weitere ehemalige Kuhn-Mitarbeiter
gewechselt haben) verunsichert, ob sie – trotz Weggang von führenden Mitarbeitern - bei Kuhn bleiben
oder zu Orgelbau Genf wechseln soll, der allerdings noch ein äußerst junger Betrieb ist.
In Folge dessen holt die Gemeinde zahlreiche Referenzen ein, sowohl bei Gemeinden / Personen, die
eine Kuhn-Orgel besitzen / spielen, als auch bei Gemeinden, die auf eine Zusammenarbeit mit Orgelbau
Genf verweisen können.
Im Archiv finden sich deshalb Schreiben von Martin Lüthy, Organist an der Kath. Kirchengemeinde St.
Gallen-West (Bruggen, 30.Mai 1950), vom Gemeindepräsident von Männedorf, K. Wetli (30.Mai 1950),
von Herrn Architekt E. Hunziker in Degersheim, der ebenso dazu rät, bei Kuhn zu bleiben, wie das
Kirchenpräsidium von Kreuzlingen, der organist aus Kronbühl dagegen empfiehlt mit Schreiben vom
1.Juni 1950 die Fa. Ziegler. Weitere Schreiben stammen von Otto Spöri (Musikdirektor in
Münchwilen/Thg.), und von der Ev. Kirchenvorsteherschaft Rorschach.

• Den Ausschlag gibt schließlich Organist und Musikdirektor Hans Biedermann aus Amriswil, der in
einem Schreiben vom 15. Juli 1950 dezidiert von einer weiteren Zusammenarbeit mit Kuhn abrät
und dazu mehrere Begründungen (akute Unzufriedenheiten und Streitereien in einigen Orgelprojekten)
und mehrere Belegpersonen anführt, die darüber Auskunft geben können.

• Am 21. Juli 1950 erteilt die Gemeinde Niederuzwil den Auftrag zur Generalüberholung an die Fa.
Genf AG, wie man in einem Antwortschreiben der Firma vom 28. Juli 1950 nachlesen kann. Herr
Biedermann fungiert erneut als Sachverständiger (sein Schreiben vom 5. August 1950). Am 18.August
1950 bestätigt die Firma Kuhn den Erhalt geines Schreibens vom 1.August, in dem mitgeteilt wird, dass
den Auftrag zur Revision der Orgel in Niederuzwil eine andere Firma erhalten habe und dass zugleich
der Stimmvertrag gekündigt sei.

• Mit Schreiben vom 4. Oktober 1950 teilt Herr Glättli von der Fa. Genf AG mit, dass der Auftrag
eingegangen sei, in der Orgel eine neue Windlade zu bauen für das Register Nasat 2 2/3‘ (samt
Registerapparat und Bleirohren), sowie für das Register Oktave 2‘ (56 Töne).

• Die Abnahme der Arbeiten erfolgte am 3. November 1950 (bestätigt mit Schreiben vom 8.November
1950) durch Herrn Hans Biedermann, der vor allem nochmals den Einbau der Oktave 2‘ hervorhebt,
sowie die Neuintonation der Zungen.

Am 22.November 1950 übermittelt die Fa. Genf AG die Rechnung über Fr. 6.509,-
• Zwölf Jahre später (5. März 1962) hebt die Fa. Genf AG die Kosten für den jährlichen
Wartungsvertrag auf Fr 300,- an.

• Der Kirchenpfleger von Niederuzwil, Herr E. Eichholzer, stimmt der Erhöhung zu, bitte aber zugleich
darum, „die Orgelpfeiffen nach den neuesten technischen Modellen umzubauen“ (17.April 1962),
worauf am 17.Mai die Fa. Genf AG antwortet, dass diese Vorschläge mit den Pfeifen sicherlich vom
neuen Organisten kommen und man dies mit ihm und Herrn Biedermann beim nächsten Lokaltermin
besprechen wolle.

• Am 20. September 1962 bittet Herr Biedermann um einen Kostenvoranschlag, nimmt Bezug auf den
Neubau von 1938 und die Revision von 1950, und bittet u.a. um folgende Änderungen:
- Flauto 4‘ stärker intonieren
- Prinzipal 8‘, Oktave 4‘ sowie Prinzipal 4‘ in II. sollen klarer intoniert werden (Kernstiche
zureiben)
- anstelle von Salizional 8‘ in II soll ein neuer Prinzipal 2‘ eingesetzt werden.
in II soll Violine 4‘ durch Oktave 4‘ ersetzt werden

Am 5. Januar 1962 werden diese Arbeiten inkl. der klanglichen Änderungen bei der Fa.Genf in
Auftrag gegeben.

• Herr Biedermann stellt der Gemeinde das überarbeitete Instrument vor mit einem kleinen Konzert:
Bach, Fantasie g-moll; Pachelbel, Thema und Variationen; C. Franck Choralfantasie in a-moll;
Clérambault, Dialogue (Schreiben vom 19. August 1963).
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Erste Überlegungen in den Achtzigerjahren: Umbau oder Neubau

• Am 18. Februar 1977 sendet die Fa. Genf AG einen Zustandsbericht über die Orgel in Niederuzwil.
Hier zählt die Fa. Genf alle angeblichen Nachteile einer pneumatischen Traktur auf:
- träge, unpräzise Spielart (die Töne seien in Ansprache und Repetition verzögert)
- Empfindlichkeiten auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit (Ausfälle während der Heizperiode)
- schlechtere Verschmelzungsfähigkeit der Register wegen der Registerkanzellenlade
erschwertes Zusammenspiel mit anderen Instrumenten.

Man muss weiterhin mit Störungen und Ausfällen rechnen. Empfehlungen:
a) Revision des Instruments (Holzbehandlung, Lederaustausch
b) Elektrifizierung der Traktur
c) auf lange Sicht kompletter Neubau mit mechanischer Schleiflade

• Erste Proteste, als man in der Gemeinde erfährt, dass u.U. auch ein Neubau ins Haus stehen könne
(Schreiben von Walter Weber, 25.April 1978)

Neuer Anlauf mit André Manz als Orgelexperte

• Auf Einladung von Organist Hans Conrad erstellt André Manz, Nachfolger von Herrn Biedermann in
Amriswil und neuer Orgelexperte, am 14. November 1984 ein neues Gutachten, vor allem angesichts
der bevorstehenden Kirchenrenovation.

Er stellt fest,
a) man renoviert die bestehende Orgel und baut sie in Teilen vor allem klanglich um, oder
b) man baut eine völlig neue Orgel.

Von a) rät er am Ende ab und schlägt b) einen Neubau vor, entweder eine kleine dreimanualige Orgel
(ca. 400.00 Fr) oder eine große zweimanualige Orgel (ca. 320.000 fr). Er rät zu den Firmen Orgelbau
Genf AG, Orgelbau Kuhn und Orgelbau Felsberg.

• Am 10. Dezember 1984 gibt Orgelbau Kuhn einen Bericht über die Orgel ab mit Empfehlung und
Kostenschätzung. „Zusammenfassend bietet sich weder technisch noch musikalisch ein erfreuliches
Bild“. Dennoch zählt Kuhn Sanierungsmöglichkeiten auf (Reinigung, Revision, Elektrifizierung der
Orgel, klangliche Änderung), nennt aber auch die Kosten für eine kleine dreimanualige (520.000 Fr)
und eine größere zweimanualige Orgel (410.000 Fr). Am Ende rät er angesichts der Renovierungskosten
zu einem Neubau.

Im Sommer 1985 (4.Juni) bietet sich sogar ALLAN an, eine elektronische Orgel vorführen zu können.

• Am 14. August 1985 gibt auch Orgelbau Felsberg eine Einschätzung und ein Angebot ab. Er rät
aufgrund des hervorragenden technischen Zustands der Kuhn-Orgel von einem Neubau ab und
beschreibt sogar noch die Vorzüge der Kuhnschen Lade („eine der besten pneumatischen Instrumente,
die aus dieser Zeit bekannt sind“).
Beigelegt ist eine Offerte für eine Generalrevision und Nachintonation der Orgel in Niederuzwil.

• Am 7. November 1989 tagt die Orgelkommission. Man diskutiert drei Möglichkeiten:
a) nur Revision und auf der Empore eine neue zweimanualige Orgel
b) alte Orgel revidieren, Klang erneuern
c) Revision / Intonation.
Man empfiehlt dem Kirchenvorstand Variante b) oder c).

• In seinem Schreiben vom 10. November 1989 berichtet A. Manz, dass die Kirchengemeinde
beschlossen habe, den Chorraum nicht zu verändern und die Orgel beizubehalten. Außerdem gibt er eine
Liste an Vorschlägen zur klanglichen Verbesserung ab.

• Am 22. November 1989 schreibt die Fa. Felsberg, dass man sich freue, dass man in Niederuzwil
sichtlich ihrer Empfehlung (Erhalt der Orgel) nachgekommen sei und gebe gerne eine Offerte ab.

Beschlussfassung zur technischen Revision und zum klanglichen Umbau

• Am 10. Februar 1990 berichtet André Manz über die Sitzung der Kirchenvorsteherschaft und der
Orgelkommission. Dort wurde beschlossen, die Variante B) zu realisieren:
- umfassende technische Revision mit einer umfassenden klanglichen Veränderung
„Dei einzelnen Register müssen aufgefrischt, verdeutlicht und charakteristischer gemacht werden.“
Die Fa. Kuhn scheidet aus, da sie zu dieser Lösung nicht bereit ist; mit den Firmen Genf und Felsberg
sei man noch im Gespräch.

• Mit Datum vom 14. Februar 1990 sendet Fa. Genf AG ein Schreiben, in dem auf Fragen aus
Niederuzwil eingegangen wird:
- Verzicht auf Prinzipal 16‘, um einen Prinzipal 8‘ zu gewinnen:
Umrohren der pneum. Steuerung ab Relais des Pedal um eine Oktave, Ergänzung um 12 Töne nach
oben, Ausbau der Holzpfeifen C bis Fis 16‘, Tieferlegung der erweiterten Innenlade F bis f‘‘ 8‘ (um
gleichzeitig großzügigere Platzverhältnisse für die zu versetzende Quinte 2 2/3‘ HW zu gewinnen),
Neuintonation des Registers (Mildern der Prospektpfeifen), anheben der Innenpfeifen, Verstärken des
Gedeckt 16‘ und des Subbaß 16‘, Erweiterung des Choralbaß 4‘ (gewonnen aus Prinzipal 4‘ des POS)
um 1 Halbton, um ihn dem kräftigeren Prinzipalbass 8‘ anzupassen.
- Umbau der Transmissionswindlade 32‘
- Anheben der Positiv-Lade wird abgelehnt
- Einbau eines Positiv-Tremulanten
- Neubau von Pfeifenrastern für die zu ändernden oder zu ergänzenden Register Krummhorn 8‘ POS
und Quinte 2 2/3‘ HW. Teilweise auch für Mixtur HW, Plein jeu SW, Cornettino POS, Zimbel POS.
- Orgelgebläse wird überprüft, Reinigung und Ölwechsel, Reduktion der Geräusche.
Eine Quinte 2 2/3‘ HW

• Einen Tag später, 15. Februar 1990, schickt Orgelbau Genf AG eine „Richtofferte“ für eine neue
mechanische Orgel mit 24. Registern ab, aufgestellt auf der Empore.

• Am 9. Juli 1990 gibt die Fa. Genf AG ein Angebot zur Miete einer einmanualigen Orgel ab (für die
Übergangszeit, während die Hauptorgel renoviert wird)

• Mit Schreiben vom 22.9.1991 zweifelt Herr Manz an, ob die Firma Genf noch in der Lage sei, die
geforderten Maßnahmen auszuführen, da Herr Scharf zusammen mit weiteren Kollegen die Firma
verlassen habe und zur Fa. Goll gegangen sei, und Genf angeblich nur noch über 2 Arbeitskräfte
verfüge.

• Am 4. Oktober 1991 nimmt die Fa. Genf (Direktor Glättli) bereits dazu schriftlich Stellung und erklärt,
dass sie nach wie vor für die Arbeiten in der Lage sei, und zwar in qualitätvoller Weise. Es erfolgt sogar
am 6. Dezember 1991 deswegen nochmals eine Sitzung der Orgelkommission.

• Drei Tage später, am 9. Dezember 1991, sendet Herr Glättli (Genf AG) einen detaillierten Zeitplan für
die Maßnahmen in Niederuzwil für die Monate Januar 1991 bis Juli 1991.

• Das Architekturbüro Fässler schreibt am 3. Februar 1992 an Orgelbau Genf und sendet den
zeitlichen Bauplan der Renovierungsarbeiten mit, am 5. Februar 1992 wird die Genf AG nochmals auf
den Weggang von Herrn Scharf angesprochen, und man verlangt die Präsenz von Herrn Glättli
persönlich bei der Orgelrevision.
Am 13. Februar schreibt die Genf AG (Herr Glättli) darauf zurück und verspricht, ausreichend präsent
zu sein.

• Ebenfalls am 13. Februar 1992 sendet die Genf AG eine erste Teilrechnung, macht auf die
Lohnpreissteigerung aufmerksam, die leider den Preis anheben wird, und sie verweist auf aufgefundene
Schäden in der Orgel (die vermutlich während der Kirchenrenovierung entstanden sind):
- Beschädigung des Holzes im Spieltischinneren
- Beize ist auf die Absperrmembranen der Register gelaufen; diese sind nun festgeklebt und
unbrauchbar, ebenfalls die entsprechenden Filzscheiben; 40 Membrane und scheiben werden
notwendig.
- Beize ist auch in die Prospektpfeifenstöcke geflossen (Schäden erst nach Öffnung bezifferbar)
- Zertretene Karton-Kondukten
Leicht verbeulte Prospektpfeifen.

• In einem Telefongespräch am 22.4.1992 teil Herr Glättli mit, dass sich das gesamte Programm um 6
Wochen verzögert (wegen Staub), weswegen Glättli noch nach einer Person Ausschau hält, die
mitarbeiten kann. Die Arbeiten werden am 20. Juli 1992 wieder aufgenommen, teilt Glättli in einem
Schreiben mit.

• Die Kirchengemeinde Niederuzwil reagiert darauf mit einem Brief vom 23.Juni 1992, nimmt den
Termin zur Kenntnis, verweist darauf, dass die Orgel aber auf jeden Fall am 20. November fertig sein
muss, eine weitere Verschiebung wird nicht akzeptiert. Außerdem wird Herr Glättli gedrängt, das
beigefügte Papier zu unterschreiben, auf dem er garantiert, dass er persönlich die Revision überwachen
und selbst die Intonation vornehmen wird, was Glättli auch tut.20

• Am 3. September 1992 erklärt Glättli von Genf AG der Orgelkommission, die angefragt hatte, dass der
Gedecktbass 32‘ nicht schneller ansprechen kann, es sei denn, man würde elektrische Zwischenrelais
anfertigen (für 2.900,- Fr).

• Schließlich sendet André Manz am 18. November 1992 seinen Schlussbericht. Er ist sehr angetan von
den Umbaumaßnahmen und schreibt, die Orgel sei „in keiner Weise mehr vergleichbar mit früher“. Mit
Datum des Vortags (17. November 1992) fügt er eine genaue Untersuchung der Orgel bei (welcher Ton
zu schnell / zu langsam komme…).