Publiziert von: Manuela Raschle
Bereitgestellt: 04.09.2026
Eine Kolumne über Glauben, Begegnungen und das praktische Leben.
Manuela Raschle,
Was vom Sommer bleibt
Was ist bei Ihnen vom Sommer übrig geblieben? Bei mir sind es viele Bilder und Begegnungen. Drei Wochen Irland, vier Menschen, zwei Wohnmobile. Mein Mann und ich, dazu ein befreundetes Paar.
An die Kühle mussten wir uns zuerst gewöhnen. Wir kamen direkt aus unseren heissen Sommerwochen von zu Hause. An manchen Morgen standen in Irland die Klippen wie graue Riesen da, halb verschluckt im Nebel, bis sich die Sonne strahlend zeigte. Die Kühle kroch einem in die Jacke und der Tee war zu heiss, tat aber trotzdem sofort gut.
Von Tag zu Tag wurde es wärmer. Trocken, sonnig, am Ende fast wie ein Sommer bei uns. Kein einziger durchgehender Regentag, ausgerechnet in Irland. Wir hatten mit dem einen gerechnet und bekamen das andere.
Am meisten erstaunten mich die Menschen. Diese Gelassenheit. War der Weg gesperrt, nahm man einen anderen. Standen die Kühe auf der Strasse, wartete man. Dazu kam eine Freundlichkeit, die nichts kostete und nichts wollte. Ein Gespräch an der Tankstelle, ein Winken vom Traktor herunter, ein «You’re grand», wenn man sich für irgendetwas entschuldigte. Das hiess ungefähr, ist schon recht, passt.
Es gab Momente, in denen mein Glaube ganz unerwartet gestärkt wurde. Einer davon war eine Robbe. Mitten in Galway, im Fluss, zwischen Häusern und Verkehr. Sie tauchte auf, schaute sich um und verschwand wieder. Kein Naturschauspiel mit Eintritt, kein Aussichtspunkt. Sie war einfach da, wo man sie nicht erwartet hatte.
Ich stand am Ufer und dachte, so ist das manchmal mit Gott. Nicht unbedingt dort, wo ich extra hinreise, um ihn zu suchen. Sondern mitten im Lärm, für einen kurzen Moment. Man muss nur hinschauen.
Jetzt sind wir zurück, die Fahrzeuge sind geputzt und der September ist da. Die Tage werden kürzer, die Agenda wird wieder voller. Etwas geht zu Ende, das schön war. Etwas Neues beginnt, von dem man noch nicht weiss, wie es wird.
In der Bibel steht ein Satz, den viele kennen. «Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel» (Kohelet 3,1, Zürcher Bibel). Er erinnert mich daran, dass etwas vorbei sein darf und etwas Neues anfangen kann.
Mit diesem Text beginnt eine neue Kolumne, die von September bis Februar jeden Monat auf unserer Homepage erscheint. Ich schreibe als Frau, die in dieser Kirchgemeinde arbeitet, vielen Menschen begegnet und dabei selbst immer wieder ins Nachdenken kommt. Nicht mit fertigen Antworten, sondern aus dem, was mir im Alltag begegnet.
Ganz gleich, ob Sie jeden Sonntag in der Kirche sitzen oder seit dreissig Jahren nicht mehr. Sie sind mir willkommen. Wo ein kirchliches Wort vorkommt, erkläre ich es. Wo ich unsicher bin, sage ich es.
Vielleicht nehmen Sie sich diese Woche fünf Minuten Zeit und fragen sich, was von Ihrem Sommer geblieben ist. Was war gut? Wo ist Ihnen etwas begegnet, mit dem Sie nicht gerechnet haben?
Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir davon.
Manuela Raschle
Gemeindeanimation und Sozialdiakonie
manuela.raschle@ref-uzwil.ch
Was ist bei Ihnen vom Sommer übrig geblieben? Bei mir sind es viele Bilder und Begegnungen. Drei Wochen Irland, vier Menschen, zwei Wohnmobile. Mein Mann und ich, dazu ein befreundetes Paar.
An die Kühle mussten wir uns zuerst gewöhnen. Wir kamen direkt aus unseren heissen Sommerwochen von zu Hause. An manchen Morgen standen in Irland die Klippen wie graue Riesen da, halb verschluckt im Nebel, bis sich die Sonne strahlend zeigte. Die Kühle kroch einem in die Jacke und der Tee war zu heiss, tat aber trotzdem sofort gut.
Von Tag zu Tag wurde es wärmer. Trocken, sonnig, am Ende fast wie ein Sommer bei uns. Kein einziger durchgehender Regentag, ausgerechnet in Irland. Wir hatten mit dem einen gerechnet und bekamen das andere.
Am meisten erstaunten mich die Menschen. Diese Gelassenheit. War der Weg gesperrt, nahm man einen anderen. Standen die Kühe auf der Strasse, wartete man. Dazu kam eine Freundlichkeit, die nichts kostete und nichts wollte. Ein Gespräch an der Tankstelle, ein Winken vom Traktor herunter, ein «You’re grand», wenn man sich für irgendetwas entschuldigte. Das hiess ungefähr, ist schon recht, passt.
Es gab Momente, in denen mein Glaube ganz unerwartet gestärkt wurde. Einer davon war eine Robbe. Mitten in Galway, im Fluss, zwischen Häusern und Verkehr. Sie tauchte auf, schaute sich um und verschwand wieder. Kein Naturschauspiel mit Eintritt, kein Aussichtspunkt. Sie war einfach da, wo man sie nicht erwartet hatte.
Ich stand am Ufer und dachte, so ist das manchmal mit Gott. Nicht unbedingt dort, wo ich extra hinreise, um ihn zu suchen. Sondern mitten im Lärm, für einen kurzen Moment. Man muss nur hinschauen.
Jetzt sind wir zurück, die Fahrzeuge sind geputzt und der September ist da. Die Tage werden kürzer, die Agenda wird wieder voller. Etwas geht zu Ende, das schön war. Etwas Neues beginnt, von dem man noch nicht weiss, wie es wird.
In der Bibel steht ein Satz, den viele kennen. «Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel» (Kohelet 3,1, Zürcher Bibel). Er erinnert mich daran, dass etwas vorbei sein darf und etwas Neues anfangen kann.
Mit diesem Text beginnt eine neue Kolumne, die von September bis Februar jeden Monat auf unserer Homepage erscheint. Ich schreibe als Frau, die in dieser Kirchgemeinde arbeitet, vielen Menschen begegnet und dabei selbst immer wieder ins Nachdenken kommt. Nicht mit fertigen Antworten, sondern aus dem, was mir im Alltag begegnet.
Ganz gleich, ob Sie jeden Sonntag in der Kirche sitzen oder seit dreissig Jahren nicht mehr. Sie sind mir willkommen. Wo ein kirchliches Wort vorkommt, erkläre ich es. Wo ich unsicher bin, sage ich es.
Vielleicht nehmen Sie sich diese Woche fünf Minuten Zeit und fragen sich, was von Ihrem Sommer geblieben ist. Was war gut? Wo ist Ihnen etwas begegnet, mit dem Sie nicht gerechnet haben?
Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir davon.
Manuela Raschle
Gemeindeanimation und Sozialdiakonie
manuela.raschle@ref-uzwil.ch
